Wartburg-Grundschule in Münster - Es geht auch ganz anders!

14.07.2010

Mittwochs live

Wartburg-Grundschule in Münster
Es geht auch ganz anders!
Mittwoch, 14. Juli 2010, 20.15 - 21.45 Uhr .  
In der Grundschule fallen Vorentscheidungen für das ganze Leben. Denn nach nur vier Schuljahren entscheidet sich, ob ein Schüler gut genug für eine chancenreiche Ausbildung ist oder ob er eher zu den Verlierern auf dem Arbeitsmarkt gehören wird.

„Das ist ungerecht und geht an den Talenten vieler Kinder komplett vorbei“, sagt die Gisela Gravelaar, Rektorin der Wartburg-Grundschule in Münster. Ihr Konzept: „Jedes Kind entsprechend seiner Lebens- und Entwicklungsvoraussetzungen optimal fördern und fordern.“ Und das sieht unter anderem so aus: Einen klassischen Stundenplan gibt es nicht, auch keinen Fächer-Unterricht – dafür lernt jedes Kind nach seinem ganz persönlichen Arbeitsplan. Für ihr alternatives Konzept erhielt die Wartburg-Grundschule 2008 den Deutschen Schulpreis. Ansporn für Gisela Gravelaar weiter neue Wege zu gehen: „Wir planen zurzeit die Ausweitung unserer Schule bis zur 10. Klasse.“

Was an der Münsteraner Ausnahmeschule noch alles anders läuft, zeigen Sabine Scholt und Jörg Schönenborn in der Sendung.


Studiogast Gisela Gravelaar: „Noten sind ungerecht – Kinder lernen ohne besser!“
 
Gisela Gravelaar, Rektorin der Wartburg-Grundschule in Münster, liegt eines besonders am Herzen: Schule muss gerecht sein. Ungerecht sind für sie vor allem Schulnoten: „Sie beschämen die Kinder“, sagt sie. Deshalb möchte sie Noten am liebsten ganz abschaffen und die Grundschulzeit mindestens um zwei Jahre verlängern. Sie will, dass die Schule dem Leistungs- und Wissensstand sowie den Talenten und Interessen jedes einzelnen Schülers gerecht wird. „Das bedeutet auch Rücksicht auf die Schwächen der einzelnen Schüler zu nehmen und sie individuell zu fördern“, erläutert die Grundschulrektorin.
 
Gisela Gravelaar weiß, wovon sie spricht. Nach ihrer Ausbildung zur Lehrerin unterrichtete sie Migranten aus aller Welt. Ihre Schüler scheiterten regelmäßig an den Anforderungen der Schule. „Nicht weil sie zu dumm gewesen wären, sondern weil niemand auf ihre individuellen Bedürfnisse eingegangen ist“, erinnert sich Gisela Gravelaar. Damals nahm sie sich vor, das Lernen in den Klassenzimmern zu verändern. „Im Kleinen habe ich das auch geschafft“, sagt sie nicht ohne Stolz.

Ihre städtische Grundschule in Münster hat für das besondere Konzept den Deutschen Schulpreis erhalten. „Wir sind keine Wunderschule“, sagt Gisela Gravelaar, „aber wir stellen uns unseren Schwächen.“ Mit Erfolg: Rund 70 Prozent der Schüler wechseln nach der vierten Klasse aufs Gymnasium oder die Gesamtschule.

 

Quelle: WDR-Fernsehen, 14.07.2010
www.wdr.de/tv/mittwochslive/sendungsbeitraege/2010/0714/wartburg.jsp