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Kinder bekleben Skulptur auf dem Servatiiplatz
Von Marie Rövekamp
MÜNSTER. In der Innenstadt hörten Passanten gestern Schlagworte wie Atomkraft, Kindersoldaten und Frauenrechte. Diesmal diskutierten aber keine Politiker, sondern Kinder. Mädchen und Jungen der Wartburgschule zwischen sechs und zehn Jahren. Sie klebten Briefe mit ihren Gedanken an das Paul-Wulf-Denkmal auf dem Servatiiplatz. Der adressat ist dabei niemand anderes als Paul Wulf selbst, der zur Zeit des Nationalsozialismus zwangssterilisiert worden ist und später durch seine antifaschistischen Ausstellungen bekannt wurde.
Die älteren Schüler kennen das Denkmal bereits von den "Skulptur-Projekte", die 2007 in Münster stattfand. Für diese Ausstellung entwarf die Künstlerin Silke Wagner das Denkmal, das auch unter dem Namen "Münster von unten" bekannt ist. Die Mädchen und Jungen interessierten sich schon damals für Paul Wulfs Geschichte, und als der städtische Kulturausschuss die Skulptur nicht erhalten wollte, spendeten sie ihr Taschengeld und schrieben an den Oberbürgermeister.
Vor einigen Wochen nun entschieden sich die Schüler, noch einmal auf das Schicksal des NS-Opfers aufmerksam zu machen. Sie schrieben dem Verstorbenen Briefe, in denen sie ungerechtes Verhalten von zu Hause bis nach Libyen abprangerten. Auf einem Plakat malten sie den Freidenker, sammelten all ihre Stimmen und präsentierten die eigene Statue der ganzen Schule.
Auch Dr. Bernd Drüke beklebt immer mal wieder das international bekannte Denkmal. Er war mit Paul Wulf befreundet und gehört dem "Freundeskreis Paul Wulf" an. Regelmäßig pinnt er Artikel oder Plakate über Atomkraft, Häuserbesetzungen oder Zensur an die Skulptur, da diese Themen das Leben und die Person seines verstorbenen Freundes bestimmten. "Die Idee mit den Briefen der Schüler ist allerdings völlig neu", sagt Drüke.
Quelle: Westfälische Nachrichten vom 06.07.2011