Auf den Spuren Luthers

24.05.2017
Kinder vor der Martin Luther Figur

Mit Martin Luther und der Reformation beschäftigen sich derzeit die Jungen und Mädchen der Wartburgschule. Unter anderem erstellten sie ihre ganz persönlichen Thesen (kl. Bild), von denen Schulleiterin Gisela Gravelaar beeindruckt ist. Foto: kbö

Münster-Gievenbeck - Sie dürften mit ihrer außergewöhnlichen Aktion für jede Menge Aufmerksamkeit sorgen: Am Donnerstag werden die Jungen und Mädchen der Wartburg-Grundschule selbst verfasste Thesen auf Din-A-5-Papier schreiben und diese an verschiedenen Stellen in der Innenstadt sowie in Gievenbeck aufhängen.
Von Kay Böckling


Unter anderem sind diese Thesen auch am münsterischen Dom zu finden. „Die Verantwortlichen des Doms waren da sehr kooperativ“, sagt Gisela Gravelaar, Leiterin der Wartburgschule, erfreut, als sie mit sechs Schülern die Aktion vorstellt.

Das Verteilen der Thesen ist Teil eines achtwöchigen Projekts, das sich schwerpunktmäßig mit Martin Luther beschäftigt und am Dienstag nächster Woche mit einem Schulfest endet. Als evangelische Grundschule fühlt man sich in Gievenbeck dem diesjährigen Reformationsjubiläum (500. Jahrestag der Reformation) in besonderer Weise verpflichtet. „Eine Kollegin kam auf die Idee, dieses Jubiläum thematisch hier in der Schule zu bearbeiten“, so Gisela Gravelaar.

Im Vorfeld des Projekts beschäftigte sich das Kollegium intensiv mit dem Thema Reformation. Unterstützung bekamen die Pädagogen dabei von Pfarrer Dr. Jens Dechow in seiner Funktion als Schulreferent des evangelischen Kirchenkreises Münster. Während zweier Fortbildungen behandelte er das Thema Luther unter der Fragestellung: „Was haben Martin Luther und die Reformation überhaupt mit der Schule zu tun?“

Unter dem Titel „Mit festem Stand – Mit Herz und Kopf die Welt gestalten“ entstanden dann verschiedene Arbeitsgruppen und ganze Unterrichtsreihen. So behandelt eine Gruppe beispielsweise die Feststellung „Sprache erfindet sich immer wieder neu“, ein anderes Thema ist „Musik tut der Seele gut“ oder „Angst hat jeder – aber was wir dann tun ist unterschiedlich“.

Für eine Mitarbeit in der „Angst-Gruppe“ hat sich Frida Wagner (neun Jahre) entschieden: „Ich habe dort erfahren, dass jeder Angst hat, nicht nur ich. Das tat mir gut.“ Dort macht auch Peter Hildebrand (neun Jahre) mit. Über seine Erlebnisse berichtet er zusätzlich als „Reporter“ in der schul-internen Zeitung „Wartburger Kurier“.

In der Gruppe „Musik tut der Seele gut“ ist Zoe Kannenberg (acht Jahre) engagiert: „Wir haben ein Lied der Gruppe Revolverhelden umgedichtet und Dinge formuliert, die uns in der Gruppe wichtig sind.“ Linus Schulte ist bei „Jeder kann die Welt verändern“ mit von der Partie: „Dort erarbeiten wir ein Theaterstück.“ Frieda Helb (neun Jahre) engagiert sich ebenfalls als Reporterin für das Angst-Thema. Und Lena Braun (neun Jahre) schreibt für die Schülerzeitung über die Musik-Thematik.

Insgesamt näherten sich alle Schüler dem Luther-Thema an – auf kindgerechte Art und Weise. Gravelaar: „Uns ist es wichtig, den Kindern zu vermitteln, welche Möglichkeiten sie haben, die Welt zu verändern.“ Die Überlegungen dazu hätten sie in Thesen niedergeschrieben, die derzeit an den Fensterscheiben rund um die Schule zu lesen sind – 400 an der Zahl. So viele; wie Kinder die Schule besuchen. Die dort zu sehenden Wünsche wie „Alle Kinder sollen das Recht haben, zur Schule zu gehen“ schmücken am Donnerstag auch den Dom.

Quelle: Westfälische Nachrichten, 16.05.2017